The extremely unexpected adult fans of My Little Pony

Von den verschiedenen Dokumentarfilm-Projekten auf Kickstarter war „BronyCon – The Documentary“ so ziemlich die erste richtige, die ich mir angeschaut habe. Statt den geforderten (eh schon recht hoch angesetzten) 60.000 Dollar hat Michael Brockhoff für sein Projekt über 322.000 Dollar eingesammelt. Kam ein guter Dokumentarfilm dabei raus?

Durchaus.

Der Film ist jetzt viel mehr geworden als eine Reportage über die Bronycon-Convention und heißt nun „Bronies – The Extremely Unexpected Adult Fans of My Little Pony“ – ein Titel, der es vermutlich auch besser trifft. Denn tatsächlich verfolgt die Produktion nun unterschiedlichste My-Little-Pony-Fans auf dem Weg zu den Conventions in den USA, Großbritannien und Deutschland – und deckt dabei ihre Beweggründe auf.

Was herauskommt ist eine wunderbare Mischung aus dem Einblick in das generelle Phänomen des Fandom und einer philosophische Parabel für Toleranz, welche aus der Dokumentation tatsächlich ein eigenständiges Werk macht, das sowohl unterhält, als auch informiert und sogar ein wenig berührt. Es ist viel mehr als nur die Begleitung merkwürdig aussehender junger Menschen – stattdessen versucht der Film am Ende zu einer eigenen Quintessenz zu kommen – eine Art Lehre, die man aus dem Phänomen ziehen kann. Hierfür kommen von Machern, Fans, Künstlern, Kritikern bis hin zu Wissenschaftlern nahezu alle entscheidenden Gruppen zu Wort – auch wenn natürlich die „pro“-Einstellung deutlich überwiegt.

Damit wirkt die Dokumentation am Ende fast schon wie eine eigenständige My-Little-Pony-Folge an sich – mit dem Unterschied, dass die Aspekte der Serie täglich quasi um die Ecke, von Stuttgart bis Los Angeles, „in echt“ stattfinden. Diese Transzendez von einer scheinbar so verkitscht-unrealistischen ethischen Lehre aus einer Comic-Serie in die reale Welt war mir vorher noch gar nicht so stark im Bewusstsein. Der Film kombiniert das wunderbar von der kreativen bis hin zu therapeutischen Seite, so dass am Ende eigentlich nur strahlende Gesichter zurückbleiben.

Fehlen tut mir weiterhin aber immer noch der Aspekt des Fandoms aus Künstlersicht. Sicherlich äußert sich Schöpferin Lauren Faust am Ende darüber, dass sie hoffe, die Serie verändere einfach ein klein wenig die Welt zum besseren (was man, denke ich, durchaus bejahen kann, denn richtig negative Effekte sind mir bisher keine bekannt), gleichzeitig spricht sie aber auch davon, dass es gut sei, dass man ihren Namen nicht vergesse. Kein Wort erfahre ich darüber, was es bedeutet, „seine“ Serie zum einen an die Fans zu verlieren, zum anderen aber auch an das Studio. Hier hätte ich mir gerne eine konkretere Aussage gewünscht, die Lauren Faust aber scheinbar einfach nicht geben will. Die Fans scheint das nicht stark zu stören (oder kenne nur ich den genauen Grund für das Verlassen der Serie nicht?). Tatsächlich bekommt aber die quietschebunt-frohe Welt von kleinen Ponies damit irgendwo einen kleinen Riss, mit der sich die Fanszene wohl lieber nicht die Stimmung verderben will.

Egal: Vergleiche ich  Bronies – The Extremely Unexpected Adult Fans of My Little Pony mit The People Vs. George Lucas (der etwas Vergleichbares mit Star-Wars-Fandom macht), dann gewinnt erster ganz klar in allen Bereichen: Montage, Zusammenstellung, Parabel, Aussage. Eine durchweg gute, interessante und schöne Dokumentation, die „Nicht-MLP’lern“ zudem einen perfekten Einblick in diese merkwürdige Welt bietet (möchte ich meinen).

Mehr dazu (und Kaufmöglichkeiten) gibt es bei http://www.bronyfilm.com/.

0 Gedanken zu “The extremely unexpected adult fans of My Little Pony”

  1. Da Darstellungen von Geschlechterrollen in Medien seit dem Aktionsrat zur Befreiung der Frauen ein ernsthaftes Studienobjekt von mir sind, würde ich mir den Film gerne von der Autorin dieses Internettagebuchtextes ausleihen. Gibt es eine Möglichkeit dazu?

  2. Fandoms in general are filled with emotionally stunted, self-aggrandizing people, but bronies are the worst. It’s over-privileged men who literally expect accolades because they enjoy a show that’s not intended for their demographic.

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