Don’t Hug Me I’m Scared demnächst bei Channel 4

Um das virale Youtube-Phänomen Don’t Hug Me I’m Scared bin ich bislang irgendwie drum rum gekommen. Der Serie wird eine unheimliche Anziehungskraft und gleichzeitig ein großer Ungemütlichkeitsfaktor nachgesagt. Ich liebe Puppentrick, aber gleichzeitig verstehe ich auch vollkommen, wie schnell sowas ziemlich weird und, in der Tat, alptraumhaft-gruselig werden kann. Also bin ich immer lieber einen Bogen drum rum gegangen.

Diesen Monat habe ich dann erfahren, dass die Serie nicht nur schon vor einiger Zeit von Conaco (der Produktionsfirma des von mir sehr geschätzten Conan O’Brien) aufgegriffen wurde sondern nun auch den „Young Audiences Content Fund“ des BFI erhalten hat (und nein, die Serie hat außer der Anmutung wirklich nichts mit Kinderfernsehen zu tun, vermutlich hatte der Förderreferent einfach nur selbst Spaß daran, den eigentlich Zweck des Topfs satirisch ad-adsurdum zu führen).

So oder so, Zeit die sechs Episoden, die die beiden Regisseure Becky Sloan und Joe Pelling zunächst ohne jegliches Budget und später nur mit Hilfe einiger Kickstarter-Backer bereits vor fast 10 Jahren(!) ins Leben gerufen hatten, nachzuholen. Wer das ebenfalls möchte, hier ist die Playlist! Aber nicht ohne Vorwarnung: Es wird in der Tat weird, überraschend, rätselhaft, mysteriös, eklig, nervenaufreibend und spätestens ab Episode 5 auch unangenehm gory. Es ist der Inbegriff des Unfalls, von dem man nicht wegsehen kann:

Machen wir’s kurz: Ich verstehe jetzt, warum die Sendung so ein viraler Erfolg wurde. Das ganze ist nicht nur hochprofessionell produziert sondern strotzt nur so vor Kreativität(hah!), Liebe zum Detail, genialen Puppets und ohrwurmartigen Musical-Einlagen sowie Eastereggs. Ich habe mir die ganze Reihe glaube ich schon vier mal angeschaut und entdecke jedes Mal zig neue Details, versteckte Hinweise und Subplots.

Zu letzteren ist Youtube mittlerweile voller Theorien, was die Serie nun bedeuten könnte, z.B. von Film Theory oder Inside a Mind. Wenn man sich das Making Of betrachtet, fällt man fast aus allen Wolken, wie enorm die Leute an diesem Projekt gearbeitet haben müssen – teilweise für Szenen, die nur den Bruchteil einer Sekunde zu sehen sind. Und: Genau das merkt man.

Vielleicht ist die Serie deswegen nicht nur so faszinierend und gleichzeitig abstoßend sondern irgendwie dann doch auch warm und herzlich. Egal wie alptraumhaft jede Episode wird – es bleibt immer sichtbar, dass die Macher dahinter nicht primär für den Shock Value sondern aus Liebe zur Schaffungskraft daran gearbeitet haben. Letztendlich entsteht daraus ein ganz besonderes Stück Internet-Filmgeschichte, die mich auch heute noch, mehrere Tage nach meiner ersten Sichtung, beschäftigt (und Himmel, wann krieg ich endlich diese Ohrwürmer aus dem Kopf!).

Vielleicht das beste Stück Medium, dass ich seit der Coronakrise serviert bekommen habe. Ich bin super gespannt auf die kommende TV-Serie. Einen Trailer vom Piloten gibt es schon (hier).

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