{"id":797,"date":"2007-10-13T00:00:00","date_gmt":"2007-10-12T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.coaster.de\/wp\/?p=797"},"modified":"2007-10-13T00:00:00","modified_gmt":"2007-10-12T23:00:00","slug":"may-uber-pornos-mit-handlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/film-kultur\/may-uber-pornos-mit-handlung\/","title":{"rendered":"May &#8211; \u00dcber Pornos mit Handlung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"border: 0px none #000000;\" src=\"http:\/\/img218.imageshack.us\/img218\/9260\/maycoverbs2.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"227\" \/>Ja, ich gebe zu, ich dachte bisher immer, der Regisseur Lucky McKee sei ne Frau. Meine erste Begegnung mit ihm war der ziemlich lahmarschige Psychoschinken &#8218;The Woods&#8216;, den ich mir auch nur angesehen habe, weil Bruce Campbell darin (wenig \u00fcberzeugend) mitspielt. Letztendlich ist und bleibt es aber ein Hanni und Nanni-Gruselfilm. Was f\u00fcr kleine M\u00e4dchen halt, nicht f\u00fcr mich. Deswegen hatte ich zun\u00e4chst um den so hei\u00df diskutierten <strong>May<\/strong> einen Bogen gemacht. Zu stark rochen die Filme nach weiblichen (hust) Problemen, nach Themen, die ich als Typ schlicht und ergreifend nicht verstehen kann, nach &#8218;Sex in the City&#8216; meets &#8218;M\u00e4dchenhorror&#8216;, gedreht von der amerikanischen Doris D\u00f6rrie. Nein, danke! Sorry. Einfach kein Zugang. Erst bei der Folge &#8218;Sick Girl&#8216; aus der <a href=\"http:\/\/blog.coaster.de\/modules\/news\/article.php?storyid=502\">Masters of Horror<\/a>-Reihe ist mir aufgefallen, dass Lucky, trotz der durchgehend weiblichen Thematik, erstens doch ein Typ ist und zweitens zwar nicht unbedingt ein guter Regisseur (wie bei The Woods) aber daf\u00fcr ein ziemlich guter Drehbuchautor. Bereits &#8218;Sick Girl&#8216; fand ich recht faszinierend &#8211; das Erwachen weiblicher Homosexualit\u00e4t gepaart mit einer kafka&#8217;esken Verwandlung &#8211; das versteh am Ende sogar ich. Die Folge war gut, die Making Ofs \u00fcberzeugend, dass ich <strong>May<\/strong> doch noch ne Chance geben sollte: Ich wurde nicht entt\u00e4uscht. Das Thema ist \u00e4hnlich: Lucky McKee kombiniert leichten Splatter mit Beziehung &#8211; und das mit einem selten gelungenen Feingef\u00fchl. Auch wenn er sich selbst weiterhin als Splatter- oder Horrorfilmregisseur beschreibt, scheut er nicht davor zur\u00fcck, seine Charaktere mit viel Tiefe zu versehen. Gerade das verleiht May eine ziemlich starke Ausdruckskraft, eine ziemlich eigene Aura, die man dem Horrorgenre sonst nicht zutrauen w\u00fcrde: Splatter mit Gef\u00fchl, das ist fast wie ein Porno mit Handlung. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/img46.imageshack.us\/img46\/4857\/luckymckee1vm6.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"150\" \/>Lucky McKee definiert seinen Film als eine Welt aus Freaks. Da gibt es z.B. Adam Stubbs (Jeremy Sisto), der begeisterter italienischer Horror-Fan ist, heimlich von der Splatterfilmkarriere tr\u00e4umt und als Hobby Videofilme zusammenschneidet. Ich gebe zu, ich f\u00fchle ich angesprochen. Himmel, der Typ hat sogar das gleiche Dario Argento-Poster im Zimmer h\u00e4ngen und kauft sich trashige Trickmesser. Spooky! Auf der anderen Seite die durch ihre Kindheit traumatisierte und introvertiere May (herausragend: Angela Bettis!), die nach nichts anderem auf der Suche ist, als nach einem Freund, ihre Gef\u00fchle aber lediglich ihrer Puppe anvertrauen kann. Als sie sich auf der Stra\u00dfe in Adam verliebt, versucht sie nichts verzweifelter als ihm zu gefallen: Sie besorgt sich Kontaktlinsen, ein neues Outfit, versucht aufzufallen und um jeden Preis normal und perfekt zu wirken. Nat\u00fcrlich geht der Schu\u00df nach hinten los. Erst nachdem sie in ihrer typischen, selbstgen\u00e4hten Kleidung (also &#8218;Unperfekt&#8216;) im Waschsaloon versch\u00e4mt auf Adam trifft, wird dieser auf sie aufmerksam. &#8218;I&#8217;m weird.&#8216; &#8211; &#8218;I like weird.&#8216; ist fortan der Satz, der sich durch den ganzen Film zieht. Die Entwicklung von May dreht sich um. Sie orientiert sich an den Splatterfilmen ihres neuen Freundes und versucht ihm nun daran zu gefallen. Schlie\u00dflich hei\u00dft es nur noch: &#8218;That&#8217;s weird.&#8216; &#8211; &#8218;But you like weird!&#8216; &#8211; &#8218;Not that weird!&#8216;. Und May versteht immer weniger, was sie nun eigentlich falsch macht. Mehr exemplarisch skizziert Lucky McKee dann verschiedene Aspekte dieser &#8218;Weirdness&#8216; &#8211; und damit die verzweifelten Versuche von May, an einen Freund zu kommen: Eine Lesbe, ein Punk, ein Schlampe&#8230; McKee schafft es dabei erstaunlich gut, Sympathien f\u00fcr May aufzubauen, f\u00fcr eine junge Frau, die unter derma\u00dfen hohen Druck steht, dass sie viele Sachen zu sehr will, zu sehr um sie k\u00e4mpft, viel zu wenig einfach nur &#8218;ist&#8216;, als dass ihr Tr\u00e4ume am Ende wirklich funktionieren k\u00f6nnten. Die dauerhaften Entt\u00e4uschungen, ihre scheinbare Unkompatibilit\u00e4t zu Beziehungen f\u00fchrt sie in eine derartige Isolation, dass sie schlie\u00dflich beschlie\u00dft, ihren eigenen Freund zu &#8217;schneidern&#8216;. Bis hierhin l\u00e4sst sich McKee sehr viel Zeit &#8211; umso intensiver werden danach die Bilder empfunden, in der May zur M\u00f6rderin avanciert. Dabei ist vor allen Dingen die letzte Szene, in der May nur noch verzweifelt um Liebe bettelt, besonders eindringlich. Grade die allerletzte Einstellung (die hier nicht weiter verraten werden soll) ist interessant, da sie -f\u00fcr ein Drama so v\u00f6llig untypisch- Hoffnung und Trost suggeriert (von woher auch immer) und May trotz ihrer Mordeskapaden dadurch verziehen wird. Also eben genau nicht dieser Gender-Frust, den ich sonst bei solchen Produktionen schnell als unangenehm und unn\u00f6tig -ja sogar kontraproduktiv- empfinde. Sch\u00f6n!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\n<p style=\"text-align: center;\"><object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" width=\"425\" height=\"355\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"wmode\" value=\"transparent\" \/><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/mvEcszJGt70&amp;rel=1\" \/><embed type=\"application\/x-shockwave-flash\" width=\"425\" height=\"355\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/mvEcszJGt70&amp;rel=1\" wmode=\"transparent\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/youtube.com\/watch?v=3qv38cYbcq0\">(Trailer in englisch)<\/a><\/p>\n<p class=\"itemText\">Insgesamt also ein wirklich feinf\u00fchliges Werk, das weniger durch die Produktion selbst (McKee dreht nur auf minimalem Budget und nur mit Kumpels!) als mehr durch das gelungene McKee-Script und die wirklich herausragende Leistung von Angela Bettis (\u00fcbrigens Studienkollegen) punktet. Kurz: Kein Meisterwerk, aber eine interessante Nische. 2006 drehte McKee einen Nachfolger mit dem Titel &#8218;Roman&#8216;, der die Geschlechterrollen umdreht. Diesmal f\u00fchrt Bettis Reige, McKee selbst spielt den Freak. In Deutschland glaub ich noch nicht erschienen, aber ich werd mir wohl bald mal die englische DVD besorgen. Ein dritter Teil (was auch immer da dann passieren wird) ist auch geplant. Die <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000C9ZP6\/coaster09\">deutsche DVD<\/a> gibt&#8217;s derzeit f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000C9ZP6\/coaster09\">rund 5,00 Euro<\/a>. Allein der sehr gelungene Audiokommentar mit McKee und Bettis ist sie meiner Meinung nach wert &#8211; vor allen Dingen, wenn McKee einige verr\u00fcckte Beziehungsgeschichten aus seinem Privatleben auspackt, die es am Ende in den Film geschafft haben. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000C9ZP6\/coaster09\">Also, Kaufempfehlung!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ich gebe zu, ich dachte bisher immer, der Regisseur Lucky McKee sei ne Frau. 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