{"id":34684,"date":"2018-01-23T00:07:45","date_gmt":"2018-01-22T23:07:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=34684"},"modified":"2018-01-23T00:07:45","modified_gmt":"2018-01-22T23:07:45","slug":"der-fall-peterson-vs-newman","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/medien\/der-fall-peterson-vs-newman\/","title":{"rendered":"Der Fall Peterson vs. Newman"},"content":{"rendered":"<p>Das Gespr\u00e4ch zwischen Psychologie-Professor <strong>Jordan Peterson<\/strong> und News-Anchor und Journalistin <strong>Cathy Newman<\/strong> geht in der Medienlandschaft grad ziemlich viral. In dem ca. halbst\u00fcndigen Gespr\u00e4ch sieht Newman nicht gut aus. Auf Petersons Aussagen geht sie wenig ein. Zwar versucht sie ihn immer wieder in eine Ecke zu pressen, benutzt daf\u00fcr aber prim\u00e4r Falsch-Behauptungen, die der sehr k\u00fchl argumentierende Akademiker rethorisch gekonnt abschmetteren kann. Da sich das Interview verst\u00e4rkt um Gender-Gerechtigkeit dreht und Peterson mit seiner Kritik an <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/An_Act_to_amend_the_Canadian_Human_Rights_Act_and_the_Criminal_Code\">Bill C-16<\/a> und weiteren kontroversen Aussagen zur Political Correctness ziemlich polarisiert hatte, war die Debatte bereits im Vorfeld emotional aufgeladen.<\/p>\n<p><center><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aMcjxSThD54\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/center><br \/>\nDas Interview bl\u00e4hte sich im Nachgang erwartungsgem\u00e4\u00df auf. Channel 4 sah sich gen\u00f6tigt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/society\/2018\/jan\/19\/channel-4-calls-in-security-experts-after-cathy-newman-suffers-online-abuse\">seine Journalistin zu sch\u00fctzen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/media\/2018\/jan\/21\/no-excuse-for-online-abuse-says-professor-in-tv-misogyny-row\">Peterson distanzierte sich vorsorglich von Hate-Speech<\/a>, und Kritiker von Peterson verglichen ihn gleich mal\u00a0<a href=\"http:\/\/www.valuewalk.com\/2018\/01\/jordan-b-peterson-alt-right\/\">mit der alternativen Rechten<\/a>. Viel wurde auf beiden Seiten kritisiert. Am meisten Kritik habe ich auf Seiten Newmans gelesen. Sie habe das Interview bewusst aufgestachelt und dem Professor falsche Aussagen unterstellen wollen. Das Interview sei ein Paradebeispiel f\u00fcr <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Media_bias\">News Bias<\/a>. Letztendlich h\u00e4tte Newman daf\u00fcr gesorgt, mehr \u00d6l in den kulturellen Kampf der Geschlechter zu streuen, als ihm zu helfen, w\u00e4hrend sich Peterson lediglich f\u00fcr Meinungsfreiheit und die freie Entfaltung ausgesprochen habe.<\/p>\n<p>Ich denke, die ganze Debatte kann man nicht so einfach herunter brechen &#8211; weder medienwissenschaftlich, ethisch noch inhaltlich. Man kann auch aus einem schlecht gef\u00fchrtem Interview nicht gleich darauf schlie\u00dfen, dass Prof. Peterson die Wahrheit auf seiner Seite hat. Die wirkliche Gefahr bei solchen Gespr\u00e4chen ist -in meinen Augen- dass die beiden verfeindeten Lager, also Progressive und Konservative, praktisch sofort ihre Argumentationsketten \u00fcbernehmen, anstatt sich mal Gedanken \u00fcber den Inhalt zu machen: Peterson ist f\u00fcr die einen ein Aufwiegler, der den ganzen Aufbruch (und alle feministische Arbeit gleicherma\u00dfen) gef\u00e4hrdet, Newman f\u00fcr die anderen eine radikale Feministin, deren Ziel es nur ist, M\u00e4nner wie Frauen mit ideologischem Gedankengut zu unterdr\u00fccken. Dabei ist dieses Interview vielleicht das beste Beispiel, zu lernen, was dieses festgefahrene Filter-Bubbling eigentlich mit uns und unserer Argumentationskultur schon gemacht hat.<\/p>\n<p>Ich glaube n\u00e4mlich nicht, dass Newman das Interview in b\u00f6sen Absichten gef\u00fchrt hat, genauso wenig wie Peterson. Klar, Newman hatte sicherlich vor, Peterson in die Mangel zu nehmen &#8211; das ist f\u00fcr einen Journalisten auch die richtige Vorgehensweise. Alles andere h\u00e4tte man ihr vermutlich genauso angekreidet. Ich bin mir deswegen gar nicht sicher, ob wir es hier wirklich nur mit einem journalistischen Supergau zu tun haben. Wenn ich mir Newmans leeren Blick und Stammelei bis hin zum v\u00f6lligen Blackout so anschaue, haben wir es eher mit einem menschlichen Gau zu tun, der viel eher dem der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kognitive_Dissonanz\">kognitivien Dissonanz<\/a> gleicht als dem der fachlichen Inkompetenz.<\/p>\n<p>Meine These: Newman h\u00e4ngt -wie immer mehr Menschen heutzutage- in ihrer Bubble fest. In ihrer Welt ergeben ihre Argumente Sinn, weil alle Gegenthesen und alternative Sichtweisen ausgeblendet wurden. Die konservativen Facebook-Freunde wurden entfriendet, der Google-News-Algorithmus liefert prim\u00e4r Nachrichten zum eigenen (Un)-Rechtsempfinden und sorgt f\u00fcr entsprechende Selektionswahrnehmung, in den politischen Debatten wird emotional verst\u00e4rkt, aber wenig Dissenzkultur trainiert. Man glaubt, die Wahrheit und Gerechtigkeit auf seiner Seite zu haben.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nicht so. Unterschiedliche Weltbilder geh\u00f6ren zum Pluralismus, zum Menschenwesen dazu. Menschen sind verschieden und nur weil man seine Meinung nicht teilt, muss das Gegen\u00fcber kein schlechter Mensch sein. Und so verlernt man dank Filter-Bubbles immer mehr den Blick f\u00fcr die Gegenseite und wandert von argumentativem Nebeneinander zu einem ideologischen Gegeneinander.<\/p>\n<p>Newman konnte mit den Argumenten von Peterson einerseits nichts anfangen, weil sie v\u00f6llig ihrem Weltbild widersprach. Andererseits verstand ihr &#8222;Gehirn&#8220; aber durchaus auch die Logik dahinter. Peterson konnte sehr einfach aufzeigen, warum er die Sache so sieht, wie er sie sieht. Sein Weltbild muss man nicht teilen, aber es ist valide. Die Journalisten kam somit in ein Konfliktfeld, in der der auf ihrem Weltbild fu\u00dfende Argumentationsrahmen nicht mehr funktionierte. Anstatt sich aber auf seine Argumente einzulassen, verharrte sie in ihrer Bubble, stellte immer wieder die gleichen Fragen, wunderte sich, warum das Vorbereitete pl\u00f6tzlich so gar nicht mehr mit dem vor Ort passierenden zusammenpasst. Dem gegen\u00fcber steht ein Peterson, der nicht nur seine Welt genau argumentieren kann, sondern auch die Filter-Welt von Newman sehr genau kennt, also auch wei\u00df, wie er auf ihre Anschuldigungen argumentieren kann. Am Ende f\u00e4llt es ihm echt schwer, sich ein Lachen zu unterdr\u00fccken &#8211; und ich gebe zu: Mir leider auch.<\/p>\n<p>Wenn das Interview also f\u00fcr irgendwas ein Pl\u00e4doyer sein sollte, dann daf\u00fcr, dass wir endlich zwischen Ideologie und Ansicht, zwischen Gegeneinander und Neben- bzw. Miteinander unterscheiden m\u00fcssen &#8211; und das geht nur, wenn man aus seinem eigenen Safe Space ausbricht und bereit ist, die Gegenseite anzuh\u00f6ren, sie auch zu verstehen und valide Thesen oder Argumente zu akzeptieren. Das bedeutet \u00fcbrigens -im Gegensatz zu dem, <a href=\"http:\/\/www.bbc.com\/news\/world-us-canada-42070202\">was in einer political-correctness-Welt leider immer h\u00e4ufiger passiert<\/a>&#8211; nicht, dass man sie sich zu eigen macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gespr\u00e4ch zwischen Psychologie-Professor Jordan Peterson und News-Anchor und Journalistin Cathy Newman geht in der Medienlandschaft grad ziemlich viral. 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