{"id":25650,"date":"2013-04-17T00:01:18","date_gmt":"2013-04-16T22:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=25650"},"modified":"2013-04-17T00:01:18","modified_gmt":"2013-04-16T22:01:18","slug":"padophilie-hysterie-therapie-leise-gedanken-zu-vinterbergs-neuem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/bildung\/padophilie-hysterie-therapie-leise-gedanken-zu-vinterbergs-neuem\/","title":{"rendered":"P\u00e4dophilie, Hysterie, Therapie &#8211; leise Gedanken zu Vinterbergs Neuem"},"content":{"rendered":"<p>Das Thema P\u00e4dophilie in den Medien hat mich schon lange interessiert. Ich glaube, das h\u00e4ngt mit meiner fr\u00fchzeitigen Faszination des verbotenen Films zusammen. Bereits w\u00e4hrend der Schulzeit habe ich erste wissenschaftliche Arbeiten zu dem Thema gew\u00e4lzt und als ich mich dann w\u00e4hrend meines Studiums in Augsburg genau zwischen dem Kreuzfeuer von mir bereits so vertrauten Bewahrp\u00e4dagogen (<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werner_Glogauer\">Glogauer<\/a>) und Medienkompetenz-Bef\u00fcrwortern (<a href=\"http:\/\/www.kthf.uni-augsburg.de\/prof_doz\/sys_theol\/hausmanninger\/mitarbeiter\/hausmanninger\/publikationen\/\">Hausmanninger<\/a>) wiederfand, hat das meine Wahl zum Studium der Medienwissenschaft entscheidend beeinflusst.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich das damals noch vorherrschende Thema &#8222;Gewalt in den Medien&#8220; so langsam ausl\u00e4uft, harte Filmkost irgendwie den Mainstream erreicht hat und sogar die FSK zunehmend beginnt, Filme vom Index zu nehmen und sogar neu zu alterskennzeichnen, hat sich mein Interesse an Medienzensur zunehmend verfl\u00fcchtigt &#8211; geblieben ist am Ende vor allen Dingen wirklich das Thema P\u00e4dophilie im Film. Vielleicht, weil sie eine Verwicklung eines von mir hoch gesch\u00e4tzten <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Makoto_Shinkai\">Regisseurs<\/a> inne hatte. Vielleicht auch, weil die Erz\u00e4hlungen von guten Freunden mein Weltbild \u00fcber die diesbez\u00fcgliche Dunkelziffer zunehmend ersch\u00fctterte. Vielleicht aber auch, weil andere Freunde von mir schon unter falschen Vergewaltigungsanschuldigungen ganz stark in die Schei\u00dfe geritte wurden. Ganz sicher aber, weil es derzeit das wohl letzte richtige Tabu-Thema in den Medien ist.<\/p>\n<p>Egal, ob es nun Terry Gilliams brandgef\u00e4hrliches <strong>Tideland<\/strong> ist (nebenbei trotz des Alters immer noch der meistbesuchte Artikel auf dem Blog) oder ein sex-ventiliertes <a href=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=10128\">Elfen Lied<\/a> &#8211; der Umgang damit ist zweifelsohne genauso vielseitig wie schwierig. W\u00e4hrend ich bei allen anderen Medienthemen irgendwie zu meinen pers\u00f6nlichen Konsens der mediensozialen Verantwortung gekommen bin, gelingt mir dies bei dem Thema nicht. Ich glaube, das ist der Grund, warum ich mich weiter damit besch\u00e4ftige. Die unfassbar schleppende Aufarbeitung des <a href=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=23619\">rituellen Mi\u00dfbrauchs<\/a> (von &#8222;die Kinder l\u00fcgen&#8220; bis &#8222;halb so wild&#8220;) tut sicherlich ihr \u00fcbriges dazu.<\/p>\n<p>Und nun l\u00e4uft im Kino: Thomas Vinterbergs <strong>Die Jagd<\/strong>. Bereits sein &#8222;Das Fest&#8220; \u00fcber Kindesmi\u00dfbrauch hat mich damals umgehauen. Ein Schlag in die Magengrube, der lange nachwirkt und den ich danach so schnell nicht mehr sehen konnte. Ein wirklich toller Film. Ein toller Regisseur. In &#8222;Die Jagd&#8220; geht es nun weniger um den Fall an sich als vielmehr um die Hysterie, mit der das Thema &#8222;P\u00e4dophilie&#8220; als Totschlagargument genutzt wird: Ein Mann wird des Kindesmi\u00dfbrauchs verd\u00e4chtigt. Obwohl er unschuldig ist, tritt allein das Thema eine Welle der Gewalt in Gang, unter der am Ende alle -selbst die Kinder- leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-25654\" title=\"diejagd\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/diejagd.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/diejagd.jpg 560w, https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/diejagd-300x152.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><em>(Foto aus: &#8222;Die Jagd&#8220;)\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Eine gewagte These &#8211; die ohne Zweifel mehr kaputt machen als aufdecken k\u00f6nnte. So zumindest die Theorie, w\u00e4ren wir bei den Bewahrp\u00e4dagogen. Ich bin hin und hergerissen, ob ich so einen Film guthei\u00dfen soll. Genau so polarisiert sind nun auch die Meinungen dazu:<\/p>\n<p>Die einen sehen den Film als ein fantastisches Werk gegen den umgreifenden Hysterie-Wahnsinn mit einer Aussage zu mehr Besonnenheit. Mit dem Wunsch nach einer Welt, bei der weiterhin die Unschuldsvermutung gilt. Eine Welt, in der das Kinderpronographie-Thema nicht als Argument f\u00fcr billige, vorgeschobene <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zugangserschwerungsgesetz\">Internetzensur<\/a> herhalten muss. Vielleicht auch eine Welt, in der M\u00e4nner nicht sofort unter Generalverdacht gestellt werden.<\/p>\n<p>Und dann gibt es die andere Seite, die in &#8222;Die Jagd&#8220; einen grundweg gef\u00e4hrlichen Film sehen. Ein Film, der mit den wahren Opfern von Kindesmi\u00dfbrauch Zynismus betreibe. Ein Film, der die Glaubw\u00fcrdigkeit von Kindesaussagen in Abrede stellt und im schlimmsten Fall daf\u00fcr sorge, dass die wahren T\u00e4ter nicht zur Strecke gebracht w\u00fcrden. Ein Film, in dem P\u00e4dagogen zweifelhaft sowie Frauen und M\u00fctter hysterisch dargestellt w\u00fcrden und der damit selbst hysterisch sei &#8211; n\u00e4mlich gegen\u00fcber der Angst, dass es den Falschen erwischen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Noch paradoxer ist nun die Tatsache, dass sich gerade eben ein regelrechter Shitstorm gegen\u00fcber den negativen Kritikern des Films breit macht. Genau die Fraktion des &#8222;Nicht-Hysterisch&#8220;-Werdens und der Besonnenheit treten nun als hysterische Verteidiger des Films auf. Das geht von einfachen Diskussionen zu regelrechten Ha\u00dftiraden &#8211; beispielsweise bei <a href=\"http:\/\/www.standard.co.uk\/goingout\/film\/the-hunt-cert-15-115-mins--review-8371379.html\">Charlotte O&#8217;Sullivan<\/a> vom Standard oder bei <a href=\"http:\/\/www.littlewhitelies.co.uk\/theatrical-reviews\/the-hunt-22600\">David Jenkins<\/a>. Egal was genau nun der Film bewirkt &#8211; er zeigt mir erneut, wie ungeheuer wichtig diese Aufarbeitung des Themas ist. Wenn M\u00e4nner, die eigentlich keine p\u00e4dophilen Neigungen haben, von Dauerschuldgef\u00fchlen sprechen finde ich das behandelnswert und wenn sich demgegen\u00fcber P\u00e4dophile direkt in Youtube-Kommentare einklinken um ihre Weltsicht zu verbreiten richtiggehend be\u00e4ngstigend.<\/p>\n<p>Irgendwie sitze ich also erneut zwischen zwei St\u00fchlen der medialen Wahrnehmung und wei\u00df nicht so recht, was ich glauben soll. Sicher bin ich mir mittlerweile nur, dass wir als Gesellschaft dar\u00fcber reden m\u00fcssen. Und zwar \u00fcber unser Verh\u00e4ltnis zum Ausdruck &#8222;P\u00e4dophilie&#8220; als politisches Kraftwort genauso wie zum unter den Teppich-gekehrten Mi\u00dfbrauchs. Und was die Medien betrifft m\u00fcssen wir uns vermutlich auch ganz konkret mit der Darstellung des Themas und seiner Gefahren besch\u00e4ftigen &#8211; so wie wir es jahrelang eben auch mit den Gewalt in den Medien gemacht haben. Insofern ist Vinterbergs Beitrag viellicht trotz (oder gerade wegen) seiner Polarisierung sch\u00e4tzenswert.<\/p>\n<p>Dann m\u00fcsste ich mir den Film also doch noch ansehen.<\/p>\n<p>Hmm.<\/p>\n<p>M\u00f6chte jemand mit?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema P\u00e4dophilie in den Medien hat mich schon lange interessiert. 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