{"id":20417,"date":"2012-02-10T00:03:37","date_gmt":"2012-02-09T23:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=20417"},"modified":"2012-02-10T00:03:37","modified_gmt":"2012-02-09T23:03:37","slug":"makoto-shinkais-neuer-children-who-chase-lost-voices-from-deep-below","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/artikel\/makoto-shinkais-neuer-children-who-chase-lost-voices-from-deep-below\/","title":{"rendered":"Makoto Shinkais Neuer: Children Who Chase Lost Voices from Deep Below (Review)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.play-asia.com\/Children_Who_Chase_Lost_Voices_From_Deep_Below\/paOS-13-71-lt-49-en-70-494j.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"kodomo\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/cwc.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"220\" \/><\/a> <\/strong><\/p>\n<p>Das ist er also, der neue Kinofilm von Makoto Shinkai. Dem vermutlich beachtenswertesten Anime-Jung-Regisseur unserer Zeit, der zuvor mit Filmen wie &#8222;A Place Promised in Our Early Days&#8220;, &#8222;5 Centimeters per Second&#8220; oder &#8222;Voices of a distant Star&#8220; die Herzen schwelgerischer Kinog\u00e4nger erw\u00e4rmte.<\/p>\n<p>Shinkai ist ein Ph\u00e4nomen. Ein Kinofilm, den ein Hayao Miyazaki f\u00fcr das Studio Ghibli mit \u00fcber 100 Mitarbeitern entwirft, schafft dieser unscheinbare Japaner auf dem Mac in seinem Wohnzimmer &#8211; h\u00e4ufig allein. Er ist Autor. Animator. Produzent. Shinkais Filme sind Shinkai und das macht sie so sehenswert. Kitschig, ja. Aber filterfrei und irgendwo auch frei von jeder wirtschaftlichen Absicht und damit eines der ganz seltenen St\u00fccke Romantik-Kinomagie, die ehrlich ist. Sein erstes gro\u00dfes Werk, die oben erw\u00e4hnte Trilogie, handelt von Verlust und vom Entrissen sein, von Einsamkeit und den Sackgassen des Nicht-Loslassen-K\u00f6nnens. Teilweise mit brachalien, resignierenden Einsichten. Mit &#8222;5 Centimeters&#8220; hatte Shinkai seine Aufarbeitung des Themas endg\u00fcltig abgeschlossen &#8211; nicht ohne die f\u00fcr ihn typische Sprach- und Bilder-Lyrik, bis dass die Schmalzschwarte kracht. Wird in dem fast 2 Stunden langen &#8222;Kodomo&#8220; erneut philosophiert und geschmachtet?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickaddict.de\/flick\/wp-content\/uploads\/cwc2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1004\" title=\"cwc\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/cwc2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nicht wirklich. Dahin, wo in Shinkais Filmen bislang viele Off-Sprecher und tiefgr\u00fcndige Analysen menschlicher Psyche den Ton angaben, gesellt sich in Hoshi o ou kodomo nun eine ganz klassische Abenteuergeschichte, die einfach erz\u00e4hlt ist: Ein M\u00e4dchen und ihr Lehrer sind auf der Suche nach der Unterwelt, um dort ihre toten Mitmenschen zu finden &#8211; und m\u00f6glicherweise wieder aufleben zu lassen. Im Falle des M\u00e4dchens ist die Motivation daf\u00fcr relativ schlecht begr\u00fcndet. Wo sich Shinkai vorher viel Zeit f\u00fcr seine Charaktere und ihre Gef\u00fchle nahm, muss er nun relativ schnell einen Mitmenschen einf\u00fchren, der im Verlauf des Films fast sofort wieder von der Bildfl\u00e4che verschwindet und somit zwangsweise blass bleibt. Die verzweifelte Suche nimmt man der jungen Asuna so nicht ganz ab, eine Liebesgeschichte entwickelt sich ohnehin kaum. Im Falle des Lehrers fehlt die Bezugsperson f\u00fcr den Zuschauer v\u00f6llig. Das f\u00fchrt teilweise soweit, dass Asuna im Laufe des Films sich pl\u00f6tzlich selbst die Frage stellen muss, warum sie \u00fcberhaupt mitgegangen ist.<\/p>\n<p>Auf ihrem Weg ersetzen nun zunehmend Actionsequenzen die sonst philosophisch-nachdenklichen Passagen Shinkais fr\u00fcherer Filme. Damit d\u00fcrfte &#8222;Kodomo&#8220; mit Sicherheit zum zug\u00e4nglichsten Film aus seiner Feder z\u00e4hlen. Der Griff nach den obersten Riegen im Anime-Business und selbst die Anspielung auf Ghibli sind dem Independent nicht ganz abzustreiten. Schade eigentlich, denn genau das hatte seine vorherigen Filme so erfrischend anders im Anime-Segment gemacht. Die Sequenzen, in denen gegen dunkle Monster gek\u00e4mpft wird, sind dabei keineswegs schlecht in Szene gesetzt, nur gelingt es Shinkai im Gegensatz zum ebenfalls vergleichsweise actionreichen Erstlingswerk &#8222;Voices&#8220; diesmal kaum noch, die Sequenzen in einen konkreten, ethischen Handlungsbogen zu stellen. Sie sind, was sie in fast allen anderen Anime-Filmen auch sind: L\u00fcckenf\u00fcller f\u00fcr&#8217;s schnelle Gehirn abschalten. Erst gegen Ende, wenn Asuna einsam durch eine Moorlandschaft streift und von allen Seiten durch D\u00e4monen belagert wird, bekommt die Handlung wieder eine etwas teifergreifende Brisanz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.flickaddict.de\/flick\/wp-content\/uploads\/cwc1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1002\" title=\"cwc\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/cwc1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum gleichen Zeitpunkt l\u00f6st Shinkai dann auch auf, worum es ihm in seinem aktuellen Machwerk geht &#8211; nach fast 90 Minuten Abenteuer-Laufzeit mit vergleichsweise vielen Handlungsb\u00f6gen und Charakteren, die nur minimale Aufgaben im Vorantreiben der Idee haben, wirkt das etwas aufgesetzt, \u00e4ndert aber nichts daran, dass man hier pl\u00f6tzlich wieder Shinkais unerreichtes Fingerspitzengef\u00fchl f\u00fcr Themen der Menschlichkeit ersp\u00fcren kann. Waren seine letzten Filme durchgehend durch Schmerz und Melancholie gepr\u00e4gt, setzt er diesmal ganz bewusst den Neuanfang in den Mittelpunkt der Geschichte und f\u00fchrt damit, h\u00f6chstwahrscheinlich ebenfalls bewusst, seine komplette Reise ad adsurdum. Das im Film durchzogene Thema des Abschieds wird am Ende durch ein &#8222;Hallo&#8220; konterkariert, dass sich bis in den Endsong mit dem treffenden Namen &#8222;Goodbye and Hello&#8220; hineinzieht: Jeder Abschied ist auch ein Anfang, k\u00f6nnte man die simple Botschaft abk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>So wirklich etwas komplett Neues erfahren hat man als Zuschauer diesmal irgendwie nicht. Aber vermutlich soll der Film das auch garnicht erreichen. Es ist Shinkais erster auf mehr Mainstream getrimmter Film. Gerade noch genug Schmalz f\u00fcr die eingefleischten Fans von fallendem Schnee im Schornstein-qualmenden Winterdorf, verkitschten Sonnenunterg\u00e4ngen mit vorbeifliegenden M\u00f6wen oder blau-lila durchsetzter Wolkenhimmel mit Lensflares. Und gerade genug Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr Freunde klassischer Anime-Abenteuer mit einer kleinen Botschaft und einigen Berieselungs-Phasen. Das ganze verpackt in Shinkais unfassbarer Grafik, von der man sich erneut jeden Hintergrund am liebsten sofort an die Wand h\u00e4ngen w\u00fcrde. Die Qualit\u00e4t der Zeichnungen allein ist somit durchaus mitrei\u00dfend und Shinkai zieht in der Unterwelt alle Register, um sie mit spannenden und fantasiereichen Figuren zu bev\u00f6lkern und eine ganz tolle Atmosph\u00e4re zu schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/makoto-01.jpeg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"281\" \/><\/p>\n<p><strong>Basti:<\/strong> Hoshi o ou kodomo hat mich zun\u00e4chst ein wenig entt\u00e4uscht. Ich hatte eine erneute, gef\u00fchlsstarke Reise erwartet, die durch ihre Direktheit, manchmal auch grausame Ehrlichkeit an sich auch irgendwo eine spannende Achterbahnfahrt ist. Geliefert hat mir Shinkai einen unglaublich toll gezeichneten Anime, der perfekt unterh\u00e4lt und damit mit Sicherheit auch zum Besten geh\u00f6rt, was die japanische Animationsszene im letzten Jahr herausgebracht hat. Der Schlu\u00df f\u00fchlt sich warm und menschlich an, so wie man das von Shinkai gewohnt ist &#8211; bis dahin sind aber auch viele sehr gew\u00f6hnliche Szenen im Film zu sehen. Vielleicht macht sich auch das erstmalig v\u00f6llige Fehlen von der f\u00fcr ihn sonst so typischen Off-Stimme bemerkbar, die vorher einen tieferen Blick in die Charaktere erlaubt hatte. Insofern kann mich Shinkai mit diesem Werk nicht ganz so interessiert mitrei\u00dfen wie z.B. mit 5 Centimeters. Die Charaktere sind mir einen ticken zu egal, die Idee zu trivial, die Actionsequenzen zu brachial. Geschmachtet habe ich trotzdem ein wenig &#8211; der tollen Animation und Grafik wegen. Auch der Soundtrack \u00fcberzeugt erneut. Wer mit den lyrischen Werken ohnehin nie was anfangen konnte und sowieso auf ein audiovisuelles Erlebnis aus ist, f\u00fcr den k\u00f6nnte dies aber der Beste der Shinkais sein. Eine deutsche Ver\u00f6ffentlichung ist f\u00fcr 2012 bei Kaz\u00e9 geplant.<\/p>\n<p><strong>Originaltitel:<\/strong> Hoshi o ou kodomo<\/p>\n<p><strong>Produktionsland:<\/strong> Japan 2011<\/p>\n<p><strong>Regie:<\/strong> Makoto Shinkai<\/p>\n<p><strong>Darsteller:<\/strong> Hisako Kanemoto, Kazuhiko Inoue, Miyu Irino<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/T37GhIqsO28\">Trailer<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist er also, der neue Kinofilm von Makoto Shinkai. 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