{"id":20,"date":"2005-03-02T13:56:00","date_gmt":"2005-03-02T12:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/?p=20"},"modified":"2005-03-02T13:56:00","modified_gmt":"2005-03-02T12:56:00","slug":"film-review-herr-der-ringe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/notiz\/film-review-herr-der-ringe\/","title":{"rendered":"Film-Review: Herr der Ringe"},"content":{"rendered":"<p class=\"mobile-post\">Nun war es also bei mir soweit: Herr der Ringe wollte im Kino angeschaut <br \/>werden. Auf Grund des zu erwarteten Ansturms habe ich mir die Karten <br \/>sicherheitshalber vorreserviert, doch im Kino selbst nahm nur eine <br \/>handvoll Leute Platz, so dass es wohl nur zu 1\/4 gef\u00fcllt war. Recht <br \/>\u00fcberraschend eigentlich. Entt\u00e4uschend etwas die Gr\u00f6\u00dfe des Cinemaxx <br \/>Kinos. Auch sound- und bequemlichkeitsm\u00e4ssig eher zweitklassig. Da dies <br \/>mein erster Besuch in einem Cinemaxx-Kino war, muss ich mich schon <br \/>wundern, wieso diese Kinoketten Marktf\u00fchrer in Deutschland sein soll. <br \/>Nun aber zum Film selbst &#8211; die meisten Daten \u00fcber das 600 Mio. teure <br \/>Mamutprojekt vom neuseel\u00e4ndischen Regisseur Peter Jackson sollten ja <br \/>bekannt sein, daher gehe ich darauf mal nicht n\u00e4her ein.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Tja, wie soll ich ihn nun bewerten. Vorweg muss ich gleich sagen, dass <br \/>ich das Buch nicht gelesen habe. Trotzdem kann man dem Verlauf gut <br \/>folgen und die wichtigsten Facts werden gleich am Anfang in einem <br \/>g\u00e4nsehautsstimmungsm\u00e4ssigen Prolog erkl\u00e4rt, die sehr zur Atmosph\u00e4re des <br \/>Films beitr\u00e4gt. Zum Inhalt m\u00f6chte ich hier nun nicht allzuviel verraten. <br \/>Die Film-Technik selbst im Film ist aber herausragend; kein Zweifel, <br \/>Peter Jackson hat technisch fleissig dazugelernt. Zuerst hatte ich <br \/>Bef\u00fcrchtungen, man k\u00f6nnte mit der F\u00fclle an Charakteren erst mal <br \/>\u00fcberfordert sein und es w\u00fcrde eine Zeit dauern, bis man sich an sie <br \/>gew\u00f6hnte. Doch die (wirklich exzellente) schauspielerische Leistung, <br \/>besonders von Elijah Woods, l\u00e4sst einem schnell alle Charaktere ins Herz <br \/>schliessen. Auch die Aufnahmen sind ein einziger Traum und die <br \/>Detailf\u00fclle ist so enorm, dass man schier \u00fcberw\u00e4ltigt ist.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Und da w\u00e4ren wir auch schon beim Problem &#8211; auch wenn man sich nun Gott <br \/>sei Dank entschieden hat, den Film als Trilogie (und nicht wie erst <br \/>geplant als 2-Teiler) zu ver\u00f6ffentlichen, merkt man doch deutlich, dass <br \/>die Story zu weitl\u00e4ufig, zu episodenhaft f\u00fcr einen abendf\u00fcllenden Film <br \/>ist. Das ist das eine von zwei Problemen, die der Film hat. Ein Freund, <br \/>der das Buch gelesen hat, meinte im Kino, er f\u00e4nde alles sehr knapp <br \/>hintereinander zusammengest\u00fcckelt. Erst hatte ich nicht den Eindruck, <br \/>als w\u00fcrde etwas fehlen, denn verstehen kann man eigentlich alles auch <br \/>recht gut, ohne das Buch gelesen zu haben. Doch gerade im zweiten <br \/>Abschnitt des Films st\u00f6rt das Tempo doch ungemein. Die Eindr\u00fccke, die <br \/>dieser gewaltige Marsch durch Mittelerde einem doch geben sollte, werden <br \/>im Film kaum eingefangen. Ich h\u00e4tte mir einfach ein paar <br \/>Verschnaufszenen zwischen den einzelnen Abschnitten gew\u00fcnscht, in denen <br \/>die Charaktere noch etwas ausgearbeitet werden oder -noch besser- die <br \/>Landschaft mit ihren gewaltigen Ausmassen demonstriert wird. Zumindest <br \/>eine Art Landkarte mit der beschriebenen Reiserute a la Indiana Jones <br \/>w\u00e4re hier sinnvoll gewesen &#8211; vielleicht mit ein paar Schnittaufnahmen im <br \/>Hintergrund eingeblendet. So hat man das Gef\u00fchl, das Ganze w\u00e4re nur <br \/>innerhalb von vielleicht 2 Tagen passiert.<br \/>Daf\u00fcr kann der Film reichlich wenig, schliesslich dauert er ohnehin <br \/>schon 178 Minuten. Wenns nach mir ginge, h\u00e4tte man den Film durchaus <br \/>noch eine halbe Stunde l\u00e4nger laufen lassen k\u00f6nnen. Genug Filmmaterial <br \/>ist ohne Zweifel vorhanden gewesen (bei gut 56200 Minuten Rohmaterial) <br \/>und man merkt ganz deutlich, dass alle Szenen, insbesondere die <br \/>hervorragenden Flugaufnahmen auf das \u00c4usserste gek\u00fcrzt worden sind. <br \/>Oftmals wird ein Kameraschwenk nur kurz angeschnitten. Besonders nach <br \/>den Minen war mir das Tempo etwas zu schnell. Und somit wird das <br \/>epochale, was das Buch zweifelsohne aufweist, im Film nicht eingefangen <br \/>&#8211; kann nicht eingefangen werden, keine Frage &#8211; daf\u00fcr h\u00e4tte man schon <br \/>einen 10-Teiler drehen m\u00fcssen. Ich finde es nur schade, dass bei der <br \/>Detailf\u00fclle, die Jackson und sein Team liebevoll in das Projekt gesteckt <br \/>haben, nur ein minimaler Prozentsatz (man spricht von 1% des kompletten <br \/>Rohschnitts) es letzlich in den Film geschafft haben. Und wenn man genau <br \/>aufpasst, sieht man dem Film das an. Ich hab mir kurz nach dem Film im <br \/>Fernsehen noch mal Scoresese&#8217;s Meisterwerk KUNDUN angeguckt &#8211; und da ist <br \/>mir die Wichtigkeit des Tempos entscheidend aufgefallen. Da liegen <br \/>zwischen diesem Film und dem Ring doch noch Welten. Aber wie erw\u00e4hnt: <br \/>Man KANN Jackson keinen Vorwurf machen. Besonders in Braindead und <br \/>Heavenly Creatures (weniger in Frighteners) hat er ja bereits bewiesen, <br \/>wie gut er mit Tempo umgehen kann &#8211; hier war es nicht anders m\u00f6glich, <br \/>auch wenn zweifelsohne genug Filmmaterial dagewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Das ist das eine Problem. Das andere ist f\u00fcr mich &#8211; und daf\u00fcr m\u00f6gen mich <br \/>die Tolkien-Fans verschonen &#8211; die Story. Sie ist bombastisch, epochal, <br \/>keine Frage. Nur leider war eben alles schon mal da. Wenn auch von <br \/>Tolkien geklaut haben wir doch das alles &#8211; sei es nun Star Wars, Indiana <br \/>Jones, Die Mumie oder meinetwegen Harry Potter &#8211; schon irgendwo mal <br \/>gesehen und geh\u00f6rt. Es ist nicht wirklich ein Kinoerlebnis, dass einen <br \/>pr\u00e4gt. Es ist gute Unterhaltung jenseits Hollywoods, aber eben kein <br \/>wirklich &#8222;magisches&#8220; Kino wie es bei mir z.B. in &#8222;Amelie&#8220; r\u00fcberkam. Auch <br \/>daf\u00fcr kann der Film und noch weniger Tolkien etwas. Schlie\u00dflich ist er <br \/>der Urahn all dieser Werke &#8211; es waren halt einfach schon welche fr\u00fcher <br \/>da (wenn auch meist bedeutend schlechter) &#8211; das ist schade, aber es ist <br \/>leider so.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Trotzdem hebt sich der Film doch schon sehr stark von seinen <br \/>Hollywoodkonkurrenten ab, was auch an Jacksons filmweise liegt. Die <br \/>Kamera ist jacksonm\u00e4ssig immer recht gut inszeniert, die Schauspieler <br \/>wie immer hervorragend ausgew\u00e4hlt (Gandalf und Frodo sind ein Traum), <br \/>auch der so oft beschimpfte Score passt sich -meiner Meinung nach sogar <br \/>sehr gut- ins Geschehen ein. Die schauspielerischen Lesitungen sind <br \/>durchgehend hervorragend, aber da war von Jackson auch nichts anderes zu <br \/>erwarten. Die Gespr\u00e4che sind durchgehend interessant und wirken bei <br \/>weitem nicht so plump wie in Star Wars, wenn auch die Witze manchmal <br \/>etwas hohl wirken. Erstaunlich pathetisch ist die Trauersequenz um <br \/>Gandalf, die fast schon an das dramtische Finish von Jacksons &#8222;Heavenly <br \/>Creatures&#8220; rankommt, wenn auch im Herr der Ringe bei weitem weniger <br \/>k\u00fcnstlerisch.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Die Landschaftsaufnahmen sind ein Traum und werden dadurch noch sch\u00f6ner, <br \/>wenn man wei\u00df, dass nur ein geringer Prozentsatz aus dem Rechner kommt. <br \/>Viele Bauten sind echt, und das merkt man auch &#8211; kein l\u00e4stigen <br \/>Rechnerbilder mehr wie in Star Wars Episode 1, sondern traumhaft sch\u00f6ne <br \/>Bilder aus Neuseeland mit seiner unbeschreiblichen Vielfalt. Allein <br \/>schon wegen dieser Aufnahmen lohnt sich der Film. Viele Sachen wirken <br \/>tats\u00e4chlich wie aus Fantasybildern abgemalt &#8211; wenn man sie nur etwas <br \/>l\u00e4nger betrachten k\u00f6nnte und die Schnitte nicht so kurz w\u00e4ren. Auch <br \/>merkt man, dass die Kampfsequenzen nicht AUSSCHLIESSLICH, wie in Star <br \/>Wars, aus dem Rechner kommen, sondern brav mit mehreren zehntausend <br \/>Statisten abgefilmt wurden (auch wenn diese Szenen wiederum nur <br \/>Sekundenbruchteile dauern).<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Eher schlecht fand ich die digitalen Effekte von Jacksons Firma Weta <br \/>Digital. Jackson hat bewusst die Angebote von Lucas&#8216; ILM ausgeschlagen <br \/>und man merkt das auch. Die Qualit\u00e4t, insbesondere die Bewegungsabl\u00e4ufe <br \/>beim H\u00f6hlentroll in der Mine sind etwas ungenau. Besonders dann, wenn <br \/>die Hobbits auf den Troll springen, kann man mit etwas Aufmerksamkeit im <br \/>Schnitt gut feststellen, dass die Szene aus dem Rechner kommt, weil die <br \/>Hobbits selbst scheinbar mitanimiert und nicht, wie sonst \u00fcblich, mit <br \/>den realen Schauspielern und einer Attrape zuerst abgedreht wurden. ILM <br \/>hat hier z.B. in Starship Troopers bei einer fast \u00e4hnlichen Szene mit <br \/>Rico auf einem Bug deutlich Realistischeres, Einf\u00fcgsameres und <br \/>Hochwertigeres geleistet. Somit f\u00e4llt Weta Digitals im harten <br \/>Konkurrenzkampf der Digitaleffektschmieden bei mir noch unten durch. <br \/>Auch der Festung Saurons, die man nur kurz sieht, merkt man das <br \/>Computerspielhafte deutlich an. Ziemlich gut dagegen fand ich den Turm <br \/>Saromans, insbesondere die Flugsequenzen sind recht ordentlich und <br \/>erstaunlich detailliert. Dort wirken auch die eingef\u00fcgten Menschen <br \/>realistischer als beim Troll, lediglich die \u00dcbergang zur\u00fcck in die <br \/>Realszenen z.B. mit Gandalf oder Saroman (besonders nach einer <br \/>Flugsequenz) wirken manchmal etwas holprig, f\u00fcgen sich aber insgesamt <br \/>noch &#8222;gut&#8220; ein.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Alles in allem ein rund um empfehlenswerter Film, aber f\u00fcr mich <br \/>definitiv nicht der Film des Jahres. Daf\u00fcr krankt der Film an den <br \/>erw\u00e4hnten zwei Problemen, insbesondere an der Sache mit dem unangenehmen <br \/>Tempo. Trotzdem: Auch wenn ich das Buch nicht gelesen und nur <br \/>Ausschnitte kenne glaube ich, dass man es nicht h\u00e4tte besser verfilmen <br \/>k\u00f6nnen. Die G\u00e4nsehautstimmung lag bei mir definitiv h\u00f6her als bei den <br \/>meisten Filmen dieser Gattung. Nein, der beste Film des Jahres kann er <br \/>f\u00fcr mich da nicht sein (das bleibt dann wohl doch &#8222;Amelie&#8220;), aber mit <br \/>Sicherheit eine ganz dicke Empfehlung f\u00fcr alle Monumentalfilm-Fans, f\u00fcr <br \/>Fantasyfreunde sowieso und f\u00fcr Neuseelandbegeisterte (wie mich) ohnehin <br \/>ein must-see. Definitv besser, das kann ich mit Sicherheit sagen, als <br \/>Direktkonkurrent Star Wars &#8211; keine Frage.<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Trotzdem w\u00fcnsche ich dem Film den allergr\u00f6ssten Erfolg. Es ist <br \/>erstaunlich, dass ein filmm\u00e4ssig so bel\u00e4cheltes Land wie Neuseeland <br \/>(sowie dem Partner Australien (Corcodile Dundee, Einstein Junior)) ein <br \/>so gro\u00dfer Coup ausserhalb Hollywoods gelungen ist. Bin schon mal <br \/>gespannt, was Jackson als n\u00e4chstes (nach der Trilogie) vorhat&#8230;<\/p>\n<p class=\"mobile-post\">Von mir gibt&#8217;s eine Note knapp jenseits der Bestnote. Sozusagen eine 1 <br \/>ohne Stern. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun war es also bei mir soweit: Herr der Ringe wollte im Kino angeschaut werden. 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