{"id":13609,"date":"2011-04-22T08:29:11","date_gmt":"2011-04-22T06:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=13609"},"modified":"2011-04-22T08:29:11","modified_gmt":"2011-04-22T06:29:11","slug":"die-tur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/film-kultur\/die-tur\/","title":{"rendered":"Die T\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.flickaddict.de\/flick\/wp-content\/uploads\/Die-T\u00fcr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"die t\u00fcr\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/Die-T\u00fcr5.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"220\" \/><\/a> <\/strong> Eigentlich glaubt man bei Zeitreisefilmen ja, alles schon mal irgendwie gesehen zu haben. Klar, das Spiel mit dem &#8222;Was-w\u00e4re-wenn&#8220;- und Schmetterlings-Effekt und Sp\u00e4\u00dfe mit Zeitparadoxien unterhalten uns bereits seit H.G. Wells &#8222;Die Zeitmaschine&#8220; und sind irgendwie, nunja, zeitlos. Wirklich was Neues h\u00e4lt das Thema aber doch eigentlich nicht bereit, m\u00f6chte man glauben. Nicht ganz so in Anno Sauls &#8222;Die T\u00fcr&#8220;, nach einer Idee des Romans &#8222;Die Damalst\u00fcr&#8220; von Akif Pirin\u00e7ci.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Im Film schreitet David (Mads Mikkelsen) durch eine mysteri\u00f6se T\u00fcr 5 Jahre in die Vergangenheit zur\u00fcck &#8211; nur einige Minuten bevor seine Tochter Leonie (Valeria Eisenbart) durch einen t\u00f6dlichen Unfall das Zeitliche segnen wird. David bekommt die M\u00f6glichkeit, sein Vergehen von damals wieder gut zu machen und rettet seine Tochter. Doch f\u00fcr welchen Preis?<\/p>\n<p>Die T\u00fcr spielt in keinster Weise mit Zeitparadoxien und -mythen a la Butterfly Effekt. Der Film interessiert sich viel mehr f\u00fcr die Charaktere und die moralische Komponente der Entscheidung: Als erstes bringt David sein j\u00fcngeres Ich um &#8211; und das ganz ohne verblassende Selbstaufl\u00f6sung eines Marty McFly aus Zur\u00fcck in Zukunft. Es ist die Zerst\u00f6rung seines unf\u00e4higen Ichs, dass er hasst. Es ist ein symbolischer Akt f\u00fcr einen Neuanfang. Und doch geistert David wie ein Toter durch diese neue, alte Welt. Dass die restlichen Darsteller, darunter Davids Ehefrau (Jessica Schwarz) alles deutsche Schauspieler sind, verst\u00e4rkt die Distanz zum d\u00e4nischen Mikkelsen sogar noch.  &#8222;Die T\u00fcr&#8220; bewertet die Handlungen seiner Darsteller kaum und wirkt damit umso beklemmender. Hier ist der Neuanfang keine wirkliche Chance sondern gepr\u00e4gt von dissonnanter Trostlosigkeit, dem Zwang zum T\u00f6ten um selbst ein besserer Mensch zu werden. Dem Zuschauer wird bis zum Ende nicht so wirklich klar, ob der gutgemeinte Vorsatz von David, jetzt ein besserer Mensch zu sein, f\u00fcr den Preis der L\u00fcge und des Mordes an sich selbst nun gerechtfertig ist, oder nicht. Am meisten dr\u00fcckt dies die Rolle der Tochter Leonie aus, \u00fcbrigens fabelhaft portraitiert von Valeria Eisenbart, die sogar Mikkelsens eher durchschnittliche Leistung an die Wand spielt. Hin und her geworfen zwischen ihrem Vater als ertappter M\u00f6rder oder wundersamer Schutzengel.  Am Ende zieht das eher beziehungsdramatisch aufgezogene und teilweise etwas kammerspielartig in einer beliebigen deutschen Vorstadt inszenierte St\u00fcck noch einmal kr\u00e4ftig an &#8211; denn David ist nicht der einzige, der durch die T\u00fcr in die Vergangenheit marschiert ist. Schon bald ist nicht mehr so ganz klar, wer nun genau wahrer Mensch oder zeitreisender \u00dcbermensch ist. Saul charakterisiert sie am Ende auf alle F\u00e4lle als irgendwie gebrochene Figuren, ohne am Schlu\u00df eine konsequente Aussage \u00fcber die ethische Relevanz zur Schmetterlingsfrage zu geben. Der Ausgang des Finale wirkt dabei geradezu schicksalsartig, zuf\u00e4llig &#8211; und genau das l\u00e4sst den Film einen Interpretationsspielraum, der letztlich seine St\u00e4rke ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" width=\"500\" height=\"311\" codebase=\"http:\/\/download.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=6,0,40,0\"><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\" \/><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\" \/><param name=\"src\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/psjxsRSrqYE?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0\" \/><param name=\"allowfullscreen\" value=\"true\" \/><embed type=\"application\/x-shockwave-flash\" width=\"500\" height=\"311\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/psjxsRSrqYE?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ich finde:<\/strong> Toll! Ich hab eine Beziehungskiste mit kleiner Zeitreise erwartet und wurde doch positiv \u00fcberrascht! Zeitreisen ohne Popcorn-Effekt, aber daf\u00fcr zum Nachdenken. Spannend, stimmungsvoll, d\u00fcster und mit wenigen Worten dr\u00fcckt der Film eine Atmosph\u00e4re aus, die man in diesem Genre bislang nicht gesehen hat. Allem voran eine wirklich geniale Valeria Eisenbart, die als 10-j\u00e4hrige Darstellerin f\u00fcr mich die Kernaussage des Films tragen muss &#8211; und mit Bravour meistert. Lediglich das sehr TV-Film-artige Setting h\u00e4tte beim Dreh etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-334\" title=\"4,5 out of 10\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/75-Scorseses3.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich glaubt man bei Zeitreisefilmen ja, alles schon mal irgendwie gesehen zu haben. 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