{"id":13091,"date":"2011-04-06T09:00:14","date_gmt":"2011-04-06T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/?p=13091"},"modified":"2011-04-06T09:00:14","modified_gmt":"2011-04-06T07:00:14","slug":"sucker-punch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruen-wald.de\/wordpress\/film-kultur\/sucker-punch\/","title":{"rendered":"Sucker Punch"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/img703.imageshack.us\/img703\/9472\/suckerpunchposter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"sucker punch\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/7suckerpunch00c3.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"220\" \/><\/a> <\/strong><\/p>\n<p>Ein junges, aufs\u00e4ssiges M\u00e4dchen wird in eine Irrenanstalt eingeliefert. Um am Leben zu bleiben entflieht sie in eine Welt, in der sie tanzend gegen ihre Peiniger antritt. Story told. Eigentlich h\u00e4tte Sucker Punche ein richtig guter Film werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die dramaturgische Grundstruktur ist zugegeben stakkatoartig und l\u00e4sst keinen Freiraum f\u00fcr richtiges Storydevelopment: Hauptdarstellerin Baby Doll springt mit ihren Mith\u00e4ftlingen von Traumwelt zu Traumwelt und bek\u00e4mpft dort fantastische Wesen mit brachialer Gewalt. Dass das im Videospiel-Zeitalter auch funktionieren kann, hatte vor einiger Zeit Scott Pilgrim bereits beweisen. Auch Pilgrim leidet unter fehlendem Plotaufbau im Storydevelopment und springt letztendlich ohne klassische Konfliktdramaturgie von Level zu Level anstatt von H\u00f6hepunkt zu H\u00f6hepunkt. Edgar Wright erkannte das Problem und hatte damals die Schwachstellen durch erh\u00f6htes Tempo, eine gewaltiges Bildcompositing und eine dauerhafte Hommage an die Gamesszene bis hin zum Universal-Schriftzug kompensiert. Vor allen Dingen aber hatte Scott Pilgrim spannende und skurile Charaktere, mit denen man mitf\u00fchlen konnte und die einen \u00fcber m\u00f6gliche L\u00e4ngen hinweghalfen.<\/p>\n<p>Sucker Punch versucht das Gleiche in gr\u00fcn. In Scott Pilgrim k\u00e4mpft sich der Darsteller durch Exfreunde, in Sucker Punch durch die eigenen Missbrauchst\u00e4ter. Die Grundzutaten w\u00e4ren also da und tats\u00e4chlich kann Sucker Punch zeitweise auch unterhalten. Leider scheitert Zack Snyders Werk aber dann genau an den Elementen, die notwendig sind, um so einen Level-Up-Film auf Dauer zu tragen: Die Levels sind eint\u00f6nig und wenig kreativ und wiederholen sich zudem andauernd, jedes Computerspiel w\u00fcrde bei diesen Ideen durchfallen. Die Musikauswahl, sonst zentrales Element bei 2-Stunden-Gameplay-Videos wie es ein Tron oder Pilgrim sind, entspringt der H\u00f6lle irgendeiner Jugendradio-M\u00f6chtegern-Redaktion und erstreckt sich von Bj\u00f6rk bis billigen Queen-Covers. Aber vor Allem die schauspielerischen Leistungen sind unterirdisch. Zwar geben die weiblichen Darstellerinnen ihr Bestes, von der hier so dringend ben\u00f6tigten weiblichen Coolness ist aber kein bischen zu sehen. Zu keiner Sekunde nimmt man den Barbiepuppen die schweren Wummen ab. Ein Fakt, der aber schon beim Trailer mehr als auff\u00e4llig war. Das wahre Gesicht zeigt sich, wenn Browning, Cornish &amp; Co in der Umkleide einen Zickenkrieg unterster Soap-G\u00fcte lostreten, wo man sich ernsthaft fragt, ob man nun einen (durchaus auch sinnentleerten) Actionfilm ansieht oder irgendeine Girlie-Schmonzette. Hier w\u00fcnscht man sich nicht nur die Darstellerinnen schnellstm\u00f6glich zur\u00fcck ins Vorabendprogramm, sondern den unf\u00e4higen Dialogautor gleich mit, der den n\u00f6tigen Comic-Oneliner-Geist, wo ein Frank Miller \u00fcber Tage an den passenden Wortlaut feilt, in keinster Weise einf\u00e4ngt. Dass Zack Snyder selbst tolle Bilder macht, aber nicht Regie f\u00fchren kann, hatte er schon im Dawn of the Dead Remake bewiesen. Bleib bei deinen Leisten, Snyder und verfilme gute Comics. Dann funktioniert das auch. Dann hast du neben dem passenden Storyboard (mit Dramaturgie!) auch gleich den richtigen Text.<\/p>\n<p>Zieht man all die Schwachstellen ab, bliebe bei Sucker Punch mit der fehlenden Dramaturgie, den schlechten Darstellern und Charakteren aber immer noch ein feines B-Movie mit viel zu viel Budget \u00fcbrig. Mit der passenden Erwartungshaltung kann man den Film eigentlich dann durchaus genie\u00dfen. Genau hier scheitert Punch leider immer noch am eigenen Anspruch. Zu rund, zu glatt und zu wenig wagemutig sind die Plotelemente, um zumindest mit Grindhouse-Grenz\u00fcberschreitungen f\u00fcr Aufmerksamkeit zu sorgen. Keine nackte Haut, keine Blutfont\u00e4nen, keine Vergewaltigungen &#8211; nichts, was dem Film dem Anschein roher Guerilla-Filmkunst -oder zumindest einer Hommage daran- gegeben h\u00e4tte. Tats\u00e4chlich w\u00e4ren nackt t\u00e4nzelnd-ballernde Barbiepuppen mit der ein oder anderen Pornoeinlage der richtige Ausweg aus dem Schlamassel gewesen &#8211; eine \u00f6strogentriefende Groteske, die durch die \u00dcberspitzung sich selbst nicht mehr ernst nimmt und mit Gender-Klischees \u00fcber die L\u00e4ngen hilft. Sozusagen der weibliche Counterpart zu Snyders 300, wo das mit dauerhafter Zurschaustellung von Sixpacks und testosteronbeladenen, unsinnigen M\u00e4nnerspr\u00fcchen gut funktioniert hatte.<\/p>\n<p>So bleibt ein Film dem richtigen Ans\u00e4tzen, aber einer schlampingen und wenig kreativen Ausf\u00fchrung, die entweder in der Dramaturgie oder in der Exploitation Nachhilfe gebraucht h\u00e4tte, um richtig zu \u00fcberzeugen. Ob die angek\u00fcndigte, ungeschnittene Fassung mit 18 Minuten mehr Inhalt das vollst\u00e4ndig aufholt, bleibt aber zu bezweifeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Basti sagt:<\/strong> Guter Einstieg, der durch Banalit\u00e4t leider zunehmend abflaut und nur am Ende wieder etwas \u00fcberzeugen kann. Die Credits (die Teile der ungeschnittenen Fassung vorweg nehmen) sind das Beste. Letztendlich wurde ich nicht entt\u00e4uscht, weil der Film genau das bietet, was der Trailer verspricht &#8211; der hat die angesprochenen Probleme ja schon ziemlich deutlich vorweg geworfen. Und ich will nie wieder Queen-Covers zu einer schlechten Gameplay-Szene h\u00f6ren. Der penetrante und v\u00f6llig unpassende Einsatz von Bj\u00f6rk-Musik kostet leider zus\u00e4tzlich einen halben Scorsese. Bleibt ein Halber \u00fcbrig.<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899217985\/coaster09\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-334\" title=\"4,5 out of 10\" src=\"http:\/\/blog.coaster.de\/wp\/wp-content\/uploads\/55-Scorseses3.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">[<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/6dzikBZTUy8\">Trailer<\/a>]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein junges, aufs\u00e4ssiges M\u00e4dchen wird in eine Irrenanstalt eingeliefert. 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